Axialturbinenkraftwerke, die üblicherweise mit Kaplan-Turbinen ausgestattet sind, eignen sich ideal für Standorte mit geringer bis mittlerer Fallhöhe und hohem Durchfluss. Aufgrund ihrer hohen Effizienz und Anpassungsfähigkeit werden diese Turbinen häufig in Laufwasserkraftwerken und Niedrigwasserkraftwerken eingesetzt. Der Erfolg solcher Wasserkraftanlagen hängt maßgeblich von einer sorgfältig geplanten und ausgeführten Tiefbauanlage ab, die die Grundlage für die Turbinenleistung, die Betriebsstabilität und die Sicherheit bildet.
1. Standortvorbereitung und Flussumleitung
Vor Beginn jeglicher größerer Bauarbeiten ist eine sorgfältige Baustellenvorbereitung unerlässlich. Dazu gehören die Räumung des Baugeländes, die Anlage von Zufahrtsstraßen und die Einrichtung eines Flussumleitungssystems, um das Wasser umzuleiten und ein trockenes Arbeitsumfeld zu schaffen. Spundwände – temporäre Einhausungen innerhalb oder quer über den Fluss – werden häufig eingesetzt, um die Baustelle vom Wasser abzuschirmen.
2. Aufnahmestruktur
Die Einlaufstruktur steuert den Wassereintritt in das Kraftwerk und gewährleistet einen gleichmäßigen, sauberen Zufluss zur Turbine. Sie umfasst Rechen, Schieber und gegebenenfalls Spülvorrichtungen zur Sedimententfernung. Eine präzise hydraulische Auslegung ist entscheidend, um Wirbelbildung zu verhindern, Druckverluste zu minimieren und die Turbine vor Treibgut zu schützen.

3. Druckrohrleitung oder offener Kanal
Je nach Ausführung wird das Wasser vom Einlauf über Druckleitungen (geschlossene Rohre) oder offene Kanäle zur Turbine geleitet. Bei vielen Axialturbinen – insbesondere bei Niederdruckkraftwerken – wird ein offener Einlauf direkt an die Turbine angeschlossen. Strukturelle Stabilität, gleichmäßige Strömung und die Minimierung hydraulischer Verluste sind in dieser Phase von zentraler Bedeutung.
4. Kraftwerksstruktur
Das Kraftwerksgebäude beherbergt die Turbogeneratoreinheit, die Steuerungssysteme und die Hilfseinrichtungen. Bei Kaplan-Turbinen, die üblicherweise vertikal installiert werden, muss das Kraftwerksgebäude so ausgelegt sein, dass es hohen axialen Lasten und dynamischen Kräften standhält. Schwingungsstabilität, Wasserdichtheit und Wartungsfreundlichkeit sind entscheidende Aspekte der Tragwerksplanung.
5. Saugrohr und Unterwasserkanal
Das Saugrohr spielt eine entscheidende Rolle bei der Rückgewinnung der kinetischen Energie des aus der Turbine austretenden Wassers. Ein gut konstruiertes Saugrohr erhöht den Gesamtwirkungsgrad. Der Unterwasserkanal leitet das Wasser sicher zurück in den Fluss. Beide Strukturen erfordern eine präzise Formgebung, um Turbulenzen und Rückstaueffekte zu minimieren.
6. Kontrollraum und Nebengebäude
Neben den Hauptstrukturen umfassen die Bauarbeiten auch den Bau von Kontrollräumen, Personalunterkünften, Werkstätten und weiteren Betriebsgebäuden. Diese Einrichtungen gewährleisten einen zuverlässigen Anlagenbetrieb und die langfristige Instandhaltung.
7. Umwelt- und geotechnische Aspekte
Bodenuntersuchungen, Hangsicherung, Erosionsschutz und Umweltschutz sind wesentliche Bestandteile der Tiefbauplanung. Geeignete Entwässerungssysteme, Fischaufstiegsanlagen (wo erforderlich) und Landschaftsgestaltung tragen dazu bei, die Umweltauswirkungen des Projekts zu minimieren.
Die bautechnische Komponente eines Axialkraftwerks ist grundlegend für seine Gesamtleistung und Lebensdauer. Jedes Bauwerk – vom Einlauf bis zum Auslauf – muss sorgfältig geplant und errichtet werden, um den hydrologischen Kräften, den geologischen Bedingungen und den betrieblichen Anforderungen standzuhalten. Die enge Zusammenarbeit zwischen Bauingenieuren, Anlagenbauern und Umweltexperten ist der Schlüssel zu einer sicheren, effizienten und nachhaltigen Wasserkraftlösung.
Veröffentlichungsdatum: 11. Juni 2025